Apps oder der mobile Umgang mit Information

 

Um die Rolle von Apps in der Informationsverarbeitung besser einordnen zu können, hatte ich mich in den Sommerferien zu einem Android-App-Programmierkurs angemeldet.

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So saß ich im Sommer bei nahezu gefühlten 35 Grad mit zwei anderen Teilnehmern in den Räumlichkeiten der Volkshochschule in Bietigheim zu einer gemeinsamen intensiven Auseinandersetzung mit objektorientierter Programmierung und der Funktionsweise von Apps.

Die Schulungsaufgabe war eine App zu erstellen, über die ein einfacher Adress-Datensatz erfasst und in einer Datenbank gespeichert werden kann. Die App soll komfortable Funktionen bieten, welche Daten listet, löscht oder ersetzt. 

Der Weg dahin begann über die Installation der Entwicklerumgebung AndroidStudio. Dies erfordert ein aktuelles Java-Entwicklerkit auf dem Rechner. Für die Lauffähigkeit mussten zeitaufwändige Anpassungen im Bios erfolgen.

Die Entwicklerumgebung bietet eine Geräteemulation, welche das Programmierergebnis zeitnah auf einem gewünschten Endgeräte projiziert. Dabei können verschiedene Android Betriebssystem-Versionen (aktuell Version 7.0 'Nougat') und Geräte (Art, Größen, Bildschirmauflösung) berücksichtigt werden.

Der Einsatz einer Datenbank ist auf jedem Android-Gerät über SQLite möglich. SQLite bietet über Java-Methoden eine eingeschränkte SQL-Funktionalität (SQL= Datenbanksprache für relationale Datenbanken). Dabei unterliegt der Datenbank keine Speicherbegrenzung. Größere Datenmengen werden einfach komprimiert abgelegt.

Apps können über Google PlayStore einfach veröffentlicht werden. Dazu ist eine Anmeldung als Entwickler notwendig. Bei der Registrierung einer App über Google muss man wissen, dass keine Zertifizierung und Funktionsprüfung erfolgt. Einzig die Inhalte werden hinsichtlich der Jugendschutz-Bestimmungen überprüft. (Alternativ gibt es über Apple eine zertifizierte Business-Plattform für Apps).

Erstes Fazit:

Warum ich den Einsatz von produktiven Apps für maßgeblich halte:
bislang wurden in Betrieben hauptsächlich Informationssysteme eingesetzt, die eine zeitaufwändige individuelle Anpassung erforderten. Das ist eine objektorientierte Vorgehensweise. Apps dagegen werden subjektorientiert programmiert, d.h. sie liefern eine automatisierte Anwendungslösung für bestimmte Arbeitsvorgänge. Apps sind schnell verfügbar und können mobil und geräteunabhängig eingesetzt werden. In der Anwendung sind Apps einfach zu verstehen und somit günstig. Ich halte den Einsatz von produktiven Apps somit für eine Entwicklung in Betrieben, die sich rasch durchsetzen wird, zum Beispiel als Input / Output-Funktionalität zentraler Informationssysteme im Betrieb.

Was bei der Entwicklung beachtet werden muss: 
eine App für ein Unternehmen zu erstellen besteht aus viel Programmierarbeit. Ich habe nur eine vage Vorstellung von den Optionen, die bei der Entwicklung einer App berücksichtigt werden müssen, um die Lauffähigkeit zu garantieren (Auswahl der Endgeräte und Betriebssysteme). Und damit ist es nicht getan. Die Gerätedynamik erfordert eine ständige  Anpassung bis zur Quellcodeebene - spricht kontinuierliche Programmierarbeit. Ein weiterer Punkt ist die Datensicherheit, die auf Mobilgeräten über SQLite noch wenig Transparenz und Kontrolle bietet. 

Mein persönliches Fazit:
Ja, ich gebe zu, ich bin bei der App-Entwicklung an meine Grenzen gestossen. Von Jahr zu Jahr werden die Optionen vielseitiger und die Programmierung komplexer. Während mein junger Nachbar in der Schulung unbeirrt programmierte, bin ich bei der Anwendung eher kritisch.

Nein, ich stehe dazu. Ich vertrete einen verantwortungsbewussten Umgang mit IT in Unternehmen. Eine Entwicklung, die immer komplexere Technik und umfangreichere Anwendungen forciert und die für die Datenbankpflege und den Datenschutz kaum noch transparent ist, kann für Unternehmen kein guter Weg sein. 

Oder anders ausgedrückt: es fehlt bei der Anwendung von IT zunehmend die Zeit und die Ressourcen, oft auch das KnowHow,  bei IT-Prozessen bis zur Basis, der Datenbankebene, zu denken.

Das erfordert für mich ein klares Umdenken.  

Warum in Betrieben die Datenfrage mehr Raum einnehmen muss

Maßgeblich beim Einsatz von IT ist nicht die Anwendung, sondern der Umgang mit dem Kern, den digitalen Daten.
Dies erfordert eine Sicht auf die Datenbanken und Kenntnis darüber, was mit den Daten im Verlauf passiert.
Zunehmende Informationsvernetzung braucht im Betrieb Raum für die Auseinandersetzung mit den eigenen digitalen Inhalten und den einfachen Fragenstellungen welche der betrieblichen Daten wann, wie und an wen vermittelt werden. Einschließlich der digitalen Spuren, die dabei entstehen. Vernetzung erfordert neben einer Transparenz der Inhalte zunehmend eine Transparenz im Umgang mit den Inhalten. Diesen Metadaten gilt es künftig Beachtung zu schenken. 

Wenn die Datenfrage in einem Unternehmen eine angemessene Berücksichtigung findet, dann könnte auch der Einsatz von produktiven Apps in Unternehmen ein guter Weg sein.

16.11.2016

Informationsmanagement Mühlacker - Ellen Langenstein